Forschungsprojekt KUNST ÖFFENTLICHKEIT ZÜRICH | Projekte

Institut für Gegenwartskünste, Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
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Niklaus Rüegg, Projektentwurf Hardau

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Bilder: Keine

Die unsichtbare Brücke
(Wettbewerbsprojekteingabe von Niklaus Rüegg)

Das Projekt "die unsichtbare Brücke" ist eine zweiteilige Arbeit, sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht. Sie besteht einerseits aus einer Reihe von Hinweis- Schildern und Werbeaktionen, andererseits aus dem Objekt – der "getarnten" Brücke – selbst.

Teil 1: Schilder und Ankündigungsoffensive
Im ersten Teil werden ca. sechs Schilder aufgestellt (einbetoniert), an gut sichtbaren Punkten an der Peripherie des Hardaugebiets (Schulhof, Gehwegkreuzung, Aufgang zu den Wohnblocks, etc.). Sie umklammern das Quartier quasi-heraldisch mit ihrer einprägsamen aber unaufdringlichen Erscheinungsform. Die Schilder sind in der Art von "offiziellen" Verkehrsschildern, von einem verzinkten Rohrrahmen umschlossen und auf Rohrpfosten angebracht. Tiefer jedoch als die üblichen Verkehrsschilder (110 cm Höhe), konkurrieren sie nicht mit jenen, sondern werden zu "Hinweistafeln" im fakultativen Sinn (wie Naturschutzgebiet-Hinweisschilder o.ä.).
Auf den Schildern steht: "Zur unsichtbaren Brücke 50 m ->" oder "Zur unsichtbaren Brücke 130m ->", abhängig nach der Distanz zwischen dem Schild und der Brücke.
Die Schilder müssen, damit die Inszenierung eine gewisse erwartungsvolle Spannung erzeugt, mindestens zwei Monate vor der Installation/Enthüllung der Brücke platziert werden. Die Schilder sind nicht temporär sondern dauerhaft platziert.
Das Aufstellen der Schilder kann als eigentlicher Auftakt des aktionistischen Teils verstanden werden, da gleichzeitig und für die nächsten 2 Monate eine "Ankündigungs-offensive" mit performativem Charakter ins Rollen kommt.

- Sandwich-Männer (Hintenundvorne-Schilder) durchqueren das Quartier in sporadischen Abständen. Auf den Schildern wiederum Werbung für die Unsichtbare Brücke bzw. den Eröffnungsanlass.
- Etwas später dann: Flyer-Aktionen in alle Briefkästen der Hardaubewohner, im Bistro usw. ("Die unsichtbare Brücke, Eröffnung am ..., um 22h").
- Gefaktes Kamera-Team, welches die Anwohner interviewt und sie nach dem Verbleib der Brücke fragen oder sie fragen, was sie davon halten(ein mögliches Ziel könnte es sein, ins Quartierblatt zu kommen).

Die Anwohner sollen die Zeit haben, sich mit der Behauptung einer unsichtbaren Brücke, von der niemand genaueres weiss, herumzuschlagen. Die Umkehrung des eigentlich logistischen Ablaufs (Skulptur, dann Beschilderung, hier aber: Beschilderung, dann Skulptur) ist ein wichtiger Teil des Konzepts und spitzt die Mythisierung,die hier vorgeführt wird, zu.
Von dieser ersten Phase des Projekts verspreche ich mir eine hohe Meinungs- und Debatierbeteiligung der Anwohner.

Teil 2: die unsichtbare Brücke
Die unsichtbare Brücke hat eine Länge von 7 Metern, ist am höchsten Punkt 220 cm hoch, 190 cm breit und aus Leichtbaubeton (Styropor-angereicherter Beton).Durch ihre Dimensionen wirkt die Brücke wie ein übergrosses Spielzeug oder wie eine zu klein geratene "richtige" Brücke. Ihre Grösse ist auf den menschlichen Körper zurecht-proportioniert, d.h. ihre unbestimmte Grösse wirkt gross und zugleich klein (monumental-minimal und durch die Bemalung harmlos-bedrohlich zugleich).

Weitere Abklärungen sind erforderlich: Ursprünglich in Beton konzipiert, führten die Einwände der Ingenieure zur Umorientierung auf eine Hohlform mit Polyesterhaut, für welche ebenfalls Offerten eingeholt wurden. Jedoch scheint eine sehr leichte Bauweise in Polystyrol-Beton machbar (ca. 2.5 t), wofür aber Nachrechnungen eines Ingenieurs vonnöten sind, welche bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeführt werden konnten.)

Bemalung / Tarnung
Die Brücke tarnt sich als Boden. Sie ist exakt in der selben Farbe bemalt wie der Betonplattenboden, auf welchem sie steht und mit demselben Raster, welches durch die aneinanderreihung der Platten sich ergibt(30x30xcm).Die Brücke ist somit mit einem Camouflage-artigen Muster überzogen.
Die Farbe ist 2-Komponenten-Lack, welcher anschliessend mit einem Sprayschutz versiegelt wird.
Die Bemalung ist sehr minimalisiert und wirkt nicht ganz wie ein realistischer Trompe-l`oeil-Effekt als Verschmelzung mit dem Plattenboden, sondern sie schreibt die Brücke eher zeichenhaft dem Boden zu. Die leichte Variabilität der Grautöne der Bodenplatten wird wichtiger Bestandteil sein in der Herausarbeitung des definitiven Tarnmusters.

Platzierung
Die unsichtbare Brücke steht auf der Passerelle , welche den Hauptplatz der Hochhaussiedlung mit dem separat stehenden Hochhaus auf der andern Seite der Bullingerstrasse (Bullingerstrasse 60) verbindet. Die Passerelle ist der direkteste Weg zwischen den Wohnblöcken und dem grossen Schulareal.Die Passerelle ist an und für sich eine Brücke (Überquerung der Bullingerstrasse), sieht aber beim Darübergehen mehr wie ein Platz aus, welcher übermässig breit konzipiert wurde, und den man deshalb diagonal überquert.
Bei dem Ort handelt es sich um den ungefähren Mittelpunkt des Quartiers. Dieser wird in dieser Vermittlerrolle mit der unsichtbaren Brücke "symbolisch" ausgezeichnet.
Die Brücke wird so aufgestellt, dass sie voll benutzbar ist, den Transit aber nicht beeinträchtigt. Die unsichtbare Brücke soll an diesem Ort leicht "deplatziert" wirken (etwas schräg aufgestellt, mit der einen Flanke beinahe die Betonbrüstung berührend).

Die Eröffnung (Enthüllung)
Auf die Eröffnung ist die Bevölkerung/Öffentlichkeit nunmehr soweit vorbereitet worden, dass mit einiger Aufmerksamkeit zu rechnen sein wird. Der Anlass wird verstanden als möglichst auf die nähere Umgebung einwirkend, auf die Bewohner der Hardau und Zugewanderte.
Ich stelle mir eine barock-pathetische Enthüllungsaktion vor, welche mit Lichteffekten, musikalischer Unterlegung während des Eindunkelns aufgeführt wird. Diese "affirmative", gewissermassen übertriebene Art der Sichtbarmachung scheint mir die adäquateste Form, die Vorbereitungs- und Werbephase abzuschliessen und die Brücke der Oeffentlichkeit zu übergeben.

Skizze des Anlasses:
- Skulptur ist verhüllt (evtl. mit Tarnmusterung oder diskret weisses Tuch).
- Stroboskope stehen auf Stangen montiert um die Brücke herum (ca. 4-6 Stk.).
- Sphärische musikalische Unterlegung
- Imbiss wird angeboten, Bier, Sirup
Nach der Eindunklung schwillt die amorphe Musik an zu einem spannungsgeladenen Dröhnen. Das Tuch wird entfernt und die Stroboskope beginnen gleichzeitig zu flackern. Dieser "Höhepunkt" wird eine Viertelstunde krachend durchgehalten, um eine "Aufladung" des Objekts durch Blitze und Musik zu zelebrieren. Danach Schluss.

Fragestellungen, Ausblick
Das Projekt ist relativ komplex in seiner Mehrteiligkeit.
In diesem Projektvorschlag können nicht alle Details zuende definiert sein. Es stellen sich Fragen, welche im Laufe der weiteren Ausarbeitung gelöst werden müssen so z.B:

- Die Herstellungsweise der Brücke bestimmt, ob sie fixfertig in der Hardau hingestellt werden kann oder ob vor Ort gearbeitet werden muss.Dies beeinflusst auch die Werbe-phase. Evtl. muss mit Sichtschutz-Abschrankungen gearbeitet werden oder aber die Arbeit vor Ort dauert nicht so lange, dass sie auffällig wird.
- Die Beschilderung muss sich je nach vorgeschlagenem Ort den Gegebenheiten anpassen. So kann nicht überall betoniert werden, allenfalls können vorhandene Schildpfosten benutzt werden (Rohrschellen-Montage)
- Definitives Camouflage-Muster(Bodenplatten KÖNNEN ein Muster sein, es muss einfach das beste Tarnmuster gefunden werden)
- Corporate identity bei den performativen Teilen (Gibt es ein Bekleidungs-Standard bei allen beteiligten Personen?)
- Corporate identity bei den Flyern bzw. Sandwichmännern?
- Sind bestimmte Teile der Werbeaktion wegzulassen?

Wettbewerbseingabe Niklaus Rüegg mehr→ PDF→
Bericht der Jury mehr→ PDF→


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(c) Christian Anderson, Lick the Wick, 2003
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STADT
KUNST
20/07
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