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Ana Axpe, Projekt realisiert Hardau

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Plakat-Projekt #5: Ana Axpe

November und Dezember 2005


EIN FENSTER ZUR WELT


Die Künstlerin Ana Axpe (*1968), wohnhaft in Genf, ist bekannt für ihre Videoarbeiten und Filmstills, in denen sie seit 1996 ihre eigene Telenovela-Produktion ¡No Firmo! entwickelt. Mit dieser fiktiven Telenovela mit ihr selber in der Hauptrolle als Adela Conti, persifliert sie mit Ironie die Fernsehindustrie. Wie das Fernsehen sind auch Plakatwände ein Fenster zur Welt nach der man sich sehnt oder vor der man sich fürchtet. Ana Axpe präsentierte in der Hardau Bilder aus Spanien, Frankreich und Kolumbien.

Doch diese enthielten nicht Ferienträume oder Schreckensbilder, sondern ganz schlicht: Wohnsiedlungen. Beim Parkfeld Albisriederplatz fand sich eine Aufnahme der Mittelstands-Siedlung Chamartin in Madrid, Spanien; beim Primarschulhaus ein Bild der geordneten Vorstadtsiedlung Belle Vue in St. Etienne, Frankreich und beim Zentrum Hardau die wohlhabende «gated community» El Labrador in Bogot├í, Kolumbien. Die Bilder zeigten eine bescheidene Anzahl Hochhäuser mit viel grün dazwischen und in einem ordentlichen Zustand, wie sie sich in vielen Vororten der Schweiz finden.

Anfangs hatte Axpe geplant, alle Bilder von Berufsfotografen machen zu lassen um noch fernere Destinationen näher rücken zu lassen. Doch als die Partner-Fotografen ihre eigenen künstlerischen Ideen einfliessen lassen wollten, fuhr Axpe kurzerhand selber nach Spanien und Frankreich und nur das Bild aus Kolumbien entstand per Auftrag. Axpe wollte nämlich länderspezifische Merkmale auslassen für eine Sichtbarmachung der Gemeinsamkeiten: Ein Herr im Anzug, Autos bekannter Marken, Bäume, Hochhäuser, Strassen, Zäune, Sitzgelegenheiten. Dazu nebliges Dezember-Wetter und möglichst wenig Leute: Ein Durchschnittstag. Die Vorstellung mag schrecklich wirken; ist der erträumte Ort in der Ferne wirklich so gleich wie das Zuhause, gibt es kein Entkommen aus der Ähnlichkeit? Gleichzeitig kann es auch beruhigend sein: In dem gezeigten Land ist es ruhig und ordentlich vielleicht kommt ein Betrachter aus diesem Land oder würde gerne dort hin fahren? Axpe hat absichtlich auf die Abbildung ärmerer Viertel verzichtet, sondern wollte den Zürcher Standard zeigen. Für hiesige Verhältnisse arme Leute hätten dennoch oft eine gute Wohnung und ein gutes Auto, meinte die Künstlerin dazu. So sind zwei der gezeigten Siedlungen in den jeweiligen Ländern von eher wohlhabenden Menschen bewohnt. Alle drei Plakate erinnern spontan an die Hardau oder an andere Schweizer Siedlungen. Bei längerer Betrachtung stellt sich mehr und mehr ein unwohles Gefühl ein: Sind die Vorstädte weltweit wirklich so ähnlich oder sogar gleichförmig? Fehlen ihnen ihre Besonderheiten? Was ist dann das «Geheimnis der Hardau», welches in der ersten Plakatrunde von Christoph Hänsli postuliert wurde?


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21/01
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