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KUNST ÖFFENTLICHKEIT ZÜRICH | Grundlagen | Bernadette Fülscher: Untersuchungen zur räumlichen und baulichen Entwicklung der Hardau  
Forschungsprojekt KUNST ÖFFENTLICHKEIT ZÜRICH | Grundlagen

Institut für Gegenwartskünste, Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Hafnerstrasse 39, Postfach, CH-8031 Zürich, Tel +41 (0)43 446 61 01

Untersuchungen zur räumlichen und baulichen Entwicklung der Hardau  zurück→

1. Das Hardquartier und seine angrenzenden Areale

1.1. Stadtentwicklung von Mitte 19. Jahrhundert bis heute
Das Zürcher Hardquartier ist eines von drei Quartieren im Kreis 4 (Aussersihl). Seine Grenze zu den anliegenden Quartieren verläuft heute entlang der Badenerstrasse sowie nördlich der Bahngeleise und wird im Osten durch die Sihlfeldstrasse, im Westen durch die Herdern- und Freihofstrasse (ohne Stadion Letzigrund, inklusive Schlachthof) begrenzt. Da im Hinblick auf das Areal Hardau nicht nur die Stadtentwicklung des Hardquartiers von Bedeutung ist, werden angrenzende Areale von Wiedikon und Altstetten in die Analyse miteinbezogen.

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts bestand das Gebiet Sihlfeld aus freien Wiesen und Feldern vor den Toren der Stadt. Die Eisenbahnlinie Zürich-Baden (Spanischbrötlibahn) von 1847 war die erste städteplanerische Setzung, die das Gebiet bis heute prägt, indem es damals die Gemeinde Aussersihl und heute die nordwestliche Stadt in zwei Teile trennte.1 Die Planungen, die in den folgenden Jahrzehnten bis zur Jahrhundertwende entstanden sind,2 sind für die Struktur des Quartiers noch heute bestimmend: der Bau der Badenerstrasse mit Strassenbahn, der Albisriederplatz als Kreuzung der Badener, Albisrieder-  und Hardstrasse, der Friedhof Sihlfeld (Zentralfriedhof ab 1877, 1896 unbenannt in Friedhof Sihlfeld)3 sowie eine orthogonale Strassenanlage von der Sihl bis zum Albisriederplatz, welche die für die damalige Zeit typische Blockrandbebauung vorsah. Der Stadtplan von 1905 zeigt ausserdem auf dem Areal der Hardau einen Sportplatz, der als Vorläufer des heute in der Nähe liegenden Stadions Letzigrund betrachtet werden kann. 1909 nahmen der Schlachthof und seine Nebenbauten den Betrieb auf. Aussersihl wurde 1893 in die Stadt Zürich eingemeindet.

Das orthogonale Strassenraster südöstlich des Albisriederplatzes füllte sich bis in die 1930er Jahre nach und nach mit einer Blockrandbebauung mit mehrgeschossigen Wohnhäusern. Oftmals entielten ihre Innenhöfe niedrige Bauten für gewerbliche Nutzungen und in ihre Erdgeschosse (insbesondere im Geviert zwischen Badenerstrasse und Friedhof Sihlfeld) zogen kleine Geschäfte ein. Im Gegensatz zu dieser gleichmässigen Bebauungs- und Nutzungsstruktur, die heute noch nahezu intakt ist, blieb das Gebiet nordwestlich des Albisriederplatzes bis zur Grenze von Altstetten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast gänzlich unbebaut. Einzig auf den Arealen zwischen den Bahngeleisen, der Herdern-, der Eichbühl- und der Hardstrasse entstanden Mietskasernen in Blockrand- und Zeilenbauweise. Ausserdem wurde ein neuer Sportplatz gebaut, an dessen Stelle heute das Stadion Letzigrund steht. Das angrenzende Gebiet von Altstetten entlang der Badenerstrasse wurde mit Arbeiter-Reiheneinfamilienhäusern bebaut, die heute ebenfalls noch ein intaktes Wohnquartier bilden.

Die angrenzenden Gemeinden Altstetten und Albisrieden gehören seit 1934 zur Stadt Zürich.

Die Tatsache, dass die grossen Areale beidseitig der Badenerstrasse, zwischen Albisriederplatz und Letzigraben respektive Freihofstrasse, in dieser Zeit unbebaut blieben, bildet die Ausgangslage für die heute anzutreffende heterogene Bebauungsstruktur. Im Falle des Heiligfelds liegt der Grund für das Brachliegen darin, dass die Freifläche in den 1940er Jahren der Anbauschlacht zum Opfer fiel.4 Die einzelnen Areale füllten sich nach und nach mit unterschiedlichen Bebauungsstrukturen, wobei die Zeilenbauweise entlang der Albisriederstrasse in den 1930er und 40er Jahren der letzte Versuch war, an die frühere Blockrandstruktur anzuknüpfen – alle späteren Bebauungen vermochten keine Verbindung mit der bisherigen Stadtstruktur in Albisrieden einzugehen. Sowohl die Wohnsiedlung Heiligfeld nördlich der Brahmsstrasse mit den für damals besonders hohen Wohnhäusern, wie die in den 1960er und 70er Jahren erstellten Siedlungen Hardau I und Hardau II5 bilden introvertierte Areale, die sich nach aussen abgrenzen und mit ihrer Umgebungsstruktur kaum Verbindung eingehen.

Die Gründe für den Inselcharakter der einzelnen Areale sind vielseitig. Einerseits bilden ab dem frühen 20. Jahrhundert mehrere neue Bebauungsstrukturen Varianten zum alten Einheitsmodell des Blockrands und ermöglichen eine Auswahl von Strukturen, die nun nebeneinander zu stehen kommen.6 Je nach Zeitgeist und persönlichen Vorlieben wird ein Areal auf die eine oder andere Art bebaut. Andererseits sind diese Siedlungen oftmals monofunktional, wodurch an der Stelle von Quartieren mit verschiedenen Nutzungen homogene Geschäftsviertel, Wohnsiedlungen oder Einkaufszentren entstehen. Gleichzeitig grenzen diese Areale mit ihren einheitlichen Funktionen in einem grösseren Massstab aneinander, so dass nun ein Areal mit Büronutzungen neben eine Wohnsiedlung zu liegen kommt, da diese Nutzungen dank ihrer geringen Emissionen nicht mehr von Wohnquartieren abgekoppelt sein müssen, wie dies bei den früheren Industriebauten der Fall war. Die Bebauungsstruktur entlang der Badenerstrasse verdeutlicht diese Entwicklung: Neben den erwähnten Wohnsiedlungen Heiligfeld und Hardau entstehen hier in den 1970er Jahren auch grossflächige Gewerbeareale und Spezialnutzungen wie das Busdepot der Verkehrsbetriebe Zürich. Neu ist dabei auch das Verhältnis von Aussenraum und Gebäude: Während die Blockrandbebauung den Schwerpunkt auf den Strassenraum legt und die Flächen dazwischen mit Bauten aufgefüllt werden, stehen beim Prinzip der Zeilen- und Punktbauten die Objekte selbst im Zentrum, wobei der Aussenraum den Charakter eines Zwischenraums annimmt, der nun gestaltet werden muss. Bei den Wohnsiedlungen Heiligfeld und Hardau erfolgt dies typischerweise durch einen prägnanten Grünraum, der im ersten Fall privater und einladender wirkt als im zweiten Fall, wo der Rasen kaum zum Aufenthalt auffordert. Gerade bei grossen und insbesondere privaten Arealen wird die Aussenraumgestaltung aber oftmals vernachlässigt und hohe Zäune oder unattraktive Bepflanzungen werden dazu verwendet, die Areale gegen den Strassenraum abzugrenzen und damit den privaten Charakter der Areale zu erhalten.

Obwohl das Quartier noch in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums liegt und dadurch beispielsweise relativ gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, weist seine Struktur mit all den beschriebenen Eigenschaften starke Ähnlichkeiten auf mit den Eigenschaften der neuen Stadt des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die je nach Theoretiker als Aussenstadt, Exopolis, Zwischenstadt, urban village, edge city oder Netzstadt bezeichnet wird und für die unzähligen grossflächigen und zentrumslosen Gebiete steht, die sich am Rande der traditionellen Kernstädte oder aber zwischen den Städten wuchernd entwickeln.7 Für eine weitere Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen und Problemen könnte sich daher ein Vergleich mit neueren städtischen Gebieten anbieten.

1.2. Aktuelle Nutzungsstruktur
Die folgenden Ausführungen basieren auf einem Ende Juli 2004 erstellten Plan, der die Nutzungen der Bauten im Hardquartier und in den angrenzenden Arealen aufzeigt.8

Das untersuchte Gebiet ist in erster Linie ein Wohnquartier. 13'000 Einwohner leben heute im Hardquartier, wobei ein Grossteil der Wohnungen dem genossenschaftlichen Wohnungsbau angehören und daher preisgünstig sind und von einer eher tieferen sozialen Schicht bewohnt werden. Im Herzen des Hardquartiers befindet sich der Albisriederplatz – ein Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs und ein Zentrum mit verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten.

In vielerlei Hinsicht bildet der Albisriederplatz mit der Albisrieder- und der Hardstrasse eine Trennlinie zweier unterschiedlicher Gebiete.9 Südöstlich dieser Grenze liegt eine Blockrandbebauungen mit Wohnungen sowie Kleingewerbe und Handelsnutzungen in den Erdgeschossen. In den Innenhöfen sind teils Grünräume vorzufinden (beispielsweise der Bullingerhof), teils niedrige Bauten mit Gewerbenutzungen. Insbesondere das Gebiet zwischen Badener-, Albisrieder- und Ämtlerstrasse, zeugt von einer hohen Wohn- und Lebensqualität, da das Quartier vom Verkehr wenig belastet ist und gleichzeitig durch den Kleinhandel- und Gewerbenutzungen belebt ist.10 In zahlreichen Eckhäusern der Blockränder haben sich Gastgewerbe-Betriebe eingemietet, die ihre Terrassen zur Strasse hin orientieren und so den Aussenraum beleben. Die hohe Lebensqualität und die relativ günstigen Mieten in den älteren Häusern haben in den letzten Jahren aber auch erste Anzeichen einer Gentrifizierung mit sich gebracht, was sich zurzeit durch einen Anstieg von Quartierbenutzern mit eher hohem kulturellen Kapital äussert.11 Es entstehen neue trendige Bars, Cafés und Restaurants und in alten Ladenlokalen mieten sich Buchhandlungen, Bioläden und Designermöbel-Verkäufer ein. Diese Entwicklung, die vor zehn Jahren bereits das Langstrassenquartier verändert hat, scheint sich damit nun stadtauswärts zu bewegen.12 Weit weniger betroffen von dieser Tendenz ist das Viertel auf der nördlichen Seite der Badenerstrasse, da sein Inneres vorwiegend aus Wohnbauten ohne zusätzliche Nutzungen besteht und es an seinen Rändern vom starken Durchgangsverkehr der Westtangente und Badenerstrasse negativ beeinträchtigt ist.13

Nordwestlich des Albisriederplatzes reihen sich einzelne Areale mit homogenen Funktionen nebeneinander. Zwischen Letzigraben, Badener- und Albisriederstrasse sind es mit Ausnahme einer Kirche und wenigen Gewerbenutzungen Wohnungen, die im Fall des Heiligfeldes an ruhiger grüner Lage stehen; angrenzend zwischen Letzigraben und Soldanellastrasse, ebenfalls an ruhiger Lage, Wohnungen und kleine Arbeiterhäuser. Drei weitere Wohnareale befinden sich zwischen Badener- und Baslerstrasse, nordwestlich der Sportanlagen Letzigrund; zwischen Hohl- und Eichbühlstrasse sowie auf dem Hardau-Areal. Fährt man der Badenerstrasse entlang stadtauswärts, reihen sich ausserdem in zunehmendem Masse grossflächige Bürobauten aneinander. Wichtige Nutzer sind einerseits die UBS in Altstetten, andererseits diverse Autoverkäufer, welche sich ab der Zypressenstrasse stadtauswärts angesiedelt haben. Ebenfalls entlang der Badenerstrasse befinden sich Hotels sowie das Stadion Letzigrund, indem gelegentlich auch Konzerte stattfinden, sowie zusätzliche nichtöffentliche Trainingsplätze. Zusammen mit dem Schlachthof und dem Busdepot der Verkehrsbetriebe handelt es sich dabei allesamt um grossflächige Nutzungen, welche im Allgemeinen ortsunabhängig funktionieren und weder von den Quartierbewohnern benutzt werden, noch durch seine Nutzer das Quartier beleben. Die zahlreichen Schulen und Kindergärten liegen ausserdem, mit Ausnahme des geplanten Oberstufenschulhauses auf dem Hardau-Areal, am Rand des Hardquartiers, so dass die Schülerinnen und Schüler kaum bis ins Zentrum des Quartiers, rund um den Albisriederplatz, kommen.

1.3. Öffentlicher Aussenraum
Der Ort mit dem wohl öffentlichsten Charakter im Hardquartier ist der Albisriederplatz. Der Platz dank der Bus- und Tramhaltestellen vierer Linien, zahlreicher Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Restaurants sowie Bankfilialen und einer Poststelle stark belebt und hat städtischen Charakter. Die Benutzer sind in Bezug auf Alter, soziale Schicht und Tätigkeiten gemischt.

Mit der Albisrieder- und der Hardstrasse markiert der Albisriederplatz auch in Bezug auf den Grad der Öffentlichkeit der Aussenräume des beobachteten Quartiers eine Trennlinie. Bei der Blockrandbebauung im südöstlichen Teil ist der öffentliche Raum des Bürgersteigs durch den Zaun des privaten Vorgartens respektive durch die Hausfassade klar definiert. Durch die Mischnutzungen werden die Strassen fast rund um die Uhr frequentiert und haben einen klar öffentlichen Charakter, wie er für diese Viertel aus den Gründerzeiten typisch ist. Die monofunktionalen Areale nordwestlich des Albisriederplatzes wirken hingegen auch tagsüber oftmals verlassen. Das Leben spielt sich dort zu den meisten Zeiten im Innern ab, und da es abgesehen vom belebten Albisriederplatz kaum Detaillisten und Gastronomiebetriebe gibt, die von der Quartierbevölkerung zu Fuss aufgesucht werden, bleiben die Gehsteige eher unfrequentiert. Hinzu kommt, dass das Spazieren und Flanieren durch die Grösse der Areale einerseits und die stark befahrenen Strassen andererseits besonders unattraktiv ist.14 So sind die Strassen selbst zwar öffentliche Aussenräume, die aber nicht als solche genutzt werden. Die hohen Zäune entlang der Gewerbeareale oder um die Sportanlagen markieren den privaten oder halbprivaten Raum weiter auf unattraktive Weise und vermindern dadurch den öffentlichen Charakter des ausgegrenzten Strassenraums. Bei Wohnsiedlungen wie das Heiligfeld oder die Hardau II bringt der Grünraum rund um die Punkt- und Zeilenbauten die Grenzen zwischen öffentlichem, halböffentlichem und privatem Aussenraum zum Fliessen. So ist der Rasen vor den Wohntürmen der Hardau zwar nicht abgegrenzt von den Zugangswegen, doch hält sich kaum jemand auf den weiten Grünflächen auf – wohl nicht zuletzt, weil wiederum der monofunktionale Charakter der Areale auf einen geringen öffentlichen Charakter hinweist.

Zahlreiche verbesserungswürdige Situationen im Hardquartier haben dazu geführt, dass die Stadt Zürich ab 1999 mehrere Workshops mit der Bevölkerung durchgeführt hat, um die Probleme der BewohnerInnen anzuhören und mögliche Massnahmen zu ergreifen.15

Geplant und teilweise bereits realisiert sind:
-    Neuer Spielplatz auf dem Parkplatz zwischen Albisriederplatz und Hardau
- Sicherheit für Schulkinder: Zebrastreifen Bullingerstrasse; Ampeleinstellung; Passerelle
- Sanierung Bullingerhof
- Verkehrsberuhigung bei Casa d’Italia
- Verlegung der Bushaltestelle Herdernstrasse
- Neuer Standort Centravo (Schlachthof) wegen Geruchsbelastung
- Umgestaltung Bullingerplatz: 15 Stelen, in der Nacht leuchtend

Für das Hardquartier und die angrenzenden Areale können folgende Typen von öffentlichen Räumen beobachtet werden:

Strassen:
- mehrspurige, verkehrsreiche Hauptstrassen mit geringer Attraktivität als Aufenthaltsort
- verkehrsarme, eher ausgestorbene Nebenstrassen und Fusswege in monofunktionalen Wohn- oder Gewerbevierteln
- verkehrsarme, belebte Nebenstrassen und Fusswege in Wohnvierteln mit weiteren Dienstleistungs- und Gewerbenutzungen
- durch uneinsehbare Grossareale (durch Zäune, Sträucher oder lange geschlossene Fassaden nach aussen abgeschirmte) unattraktive Haupt- und Nebenstrassen (Herdernstrasse, Teile der Baslerstrasse, Bullingerstrasse, Albisriederstrasse)

Plätze:
- belebte und oftmals verkehrsreiche Plätze als Strassenkreuzungen mit öffentlichen Nutzungen und teilweise Einkaufsmöglichkeiten (Albisriederplatz, Hardplatz)
- unbelebte, verkehrsreiche Strassenkreuzungen ohne öffentliche Nutzungen und Einkaufsmöglichkeiten (Kreuzung Letzigraben/Badenerstrasse, Badenerstrasse/Sihlfeldstrasse, Bullingerplatz)
- unattraktive Autoparkplatzanlagen (Herdern-/Bienenstrasse, Herdern-/Bullingerstrasse, Bullinger-/Norastrasse, Hardau I, Badener-/Hardgutstrasse)
- auch von Quartierbewohnern benutzte öffentliche Schulhöfe und Kinderspielplätze (Schulhaus und Wohnsiedlung Hardau, Schulhaus Sihlfeld, Schulhaus Ämtlerstrasse)

Parkanlagen:
- bei schönem Wetter belebte, ruhige Grünanlagen mit öffentlichem Charakter trotz relativer Privatheit in bezug auf die Lage (Bullingerhof, Friedhof Sihlfeld, Sportplatz und Grünanlage Schulhaus Ämtlerstrasse, womöglich auch der geplante Stadtpark Hardau)
- bei schönem Wetter belebte Grünanlagen mit öffentlichem Charakter (Fritschiwiese)
- private oder halbprivate Grünanlagen in Wohnsiedlungen, teils besser genutzt (Heiligfeld), teils schlechter genutzt (Hardau).

Unzugängliche Freiflächen:
- Schrebergartenanlagen
- Sportanlagen
- Areal Schlachthof
- Areal Busbahnhof

1.4. Verkehr
Das Hardquartier ist durch den motorisierten Individualverkehr besonders stark beeinträchtigt. Hard-, Bullinger- und Sihlfeldstrasse sind Teil der Westtangente, welche anstelle des 1950er Jahren geplanten Ypsilons als Provisorium den Verkehr zwischen den Autobahnanschlüssen im Norden und Süden der Stadt gewährleistet. Täglich rollen 66'500 Fahrzeuge über die an die Hardstrasse anschliessende Hardbrücke.16 Rund 6.5% entfallen auf Lastwagen. Derselbe Prozentsatz fällt auf die Abendspitzenstunden zwischen 17:00 und 18:00 Uhr.17 Der öffentliche Raum der Westtangente sowie die angrenzenden Wohnungen werden davon stark in Mitleidenschaft gezogen und haben die Verdrängung des Langsamverkehrs (zu Fuss, per Velo) ebenso zur Folge wie eine niedrige Wohn- und Lebensqualität in der Umgebung. Eine grundlegende Verbesserung der Situation ist zurzeit nicht in Sicht.

Neben der Westtangente sind aber auch die Badener-, die Herdern- und die Albisriederstrasse stark befahren und damit für Bewohner und Spaziergänger unattraktiv. Hinzu kommt, dass sich der öffentliche Verkehr mit Bus- und Tramlinien weite Teile des Quartiers nicht erschliesst, insbesondere das Areal der Hardau. Das Erdgeschoss des durch die Bullingerstrasse getrennten Hardauareals ist zusätzlich durch ein Gantlokal, eine Tankstelle und ein Parkhaus mit 1030 Parkplätzen geprägt. So entsteht der Eindruck, dass das Auto im Hardquartier in verschiedener Hinsicht eine ungewohnt starke Präsenz hat – vom Verkauf über die Wartung bis hin zum Fahren und Parkieren.


2. Das Hardau-Areal

2.1. Bestehende Bauten
Das Hardau-Areal ist begrenzt durch die Badenerstrasse, die Hardstrasse, die Eichbühlstrasse und die Herdernstrasse und beinhaltet insbesondere die SiedlungHardau (unterteilt in Hardau I und Hardau II), eine Anzahl von Schulbauten, eine Schrebergartenanlage, die Wohnbauten der Stefan-à-Porta-Stiftung an der Eichbühlstrasse, einen Parkplatz, der demnächst zum Stadtpark umfunktioniert werden soll, sowie einige weitere Bauten entlang der Hard- und der Badenerstrasse.

Die Siedlung Hardau geht zurück auf ein Wettbewerbsprojekt des Architekten Max Kollbrunner von 1964. Das Bauvorhaben verfolgte damals das Ziel, den stark angestiegenen Bedarf an insbesondere kleinen Wohnungen in der Stadt Zürich zu decken. Die Siedlung Hardau II, die 1978 nur unvollständig realisiert wurde, umfasst in vier Wohntürmen und zwei Flachbauten 605 Wohnungen für 1350 Personen. Ein Grossteil der Bewohner besteht aus älteren Leuten, zumal zur Siedlung auch Alterswohnungen und ein Altersheim gehören. Die vier Wohntürme sind mit 72 und 92 Metern sowie knapp 30 Stockwerken die höchsten Häuser der Stadt Zürich und die höchsten Wohnbauten der Schweiz. Dennoch sind die visuell prägnanten Türme innerhalb des Quartiers kaum präsent und das Gelände der Hardau für die Öffentlichkeit nicht von Interesse.

Das Werkjahrschulhaus Hardau wurde nach einem Wettbewerb von 1958 im Jahre 1964 durch Otto Glaus fertiggestellt. Es ist heute aufgeführt im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte kommunaler Bedeutung. Die im Stil des Brutalismus gebaute Anlage aus Sichtbeton wird von der Bullingerstrasse aus betreten. Markant ist, dass man nach einem im freien liegenden Eingangstor Schulgänge betritt, die nach wie vor im Freien liegen, so dass der privateste Raum – beispielsweise durch seinen Bodenbelag aus Kopfsteinpflaster – vielmehr halböffentlichen Charakter hat, ohne jedoch als solcher zu funktionieren.

Das Primarschulhaus Hardau und die dazugehörigen Sportanlagen wurden 1985 von Glaus, Allemann und Partner erbaut, nachdem das alte Schulhaus Hard durch die Erstellung der Auffahrrampe zur Hardbrücke unbenutzbar geworden ist. Farbkonzept im Innern: Edwin Wenger (Kunstmaler), Fassadenplastik: Judit Glaus (Bildhauerin). 1996 wurde die Anlage um Pavillons erweitert, die heute in schlechtem Zustand sind. 1998 wurde der Bau um ein Geschoss aufgestockt.

2.2. Aussenraum
Die hinter dem belebten Albisriederplatz gelegene Siedlung Hardau wirkt als ruhige Insel mit wenig öffentlichem, dafür mehr privatem Charakter. Zwischen den Wohnbauten befinden sich auf zwei verkehrsfreien Niveaus riesige Frei- und Gründflächen (75% der BGF), die typisch sind für Konzepte der 60er Jahre. Sie dienen in den meisten Fällen zur Begrenzung und Trennung der Räume zwischen den Bauten und sehen keine explizite Nutzung vor. Entsprechend durchqueren die Leute die Freiräume, ohne sich länger darin aufzuhalten. Dies wird unterstützt, da in der Siedlung öffentliche Nutzungen sowohl für die Bewohner wie für die Quartierbevölkerung oder weitere Fremde mehrheitlich fehlen. Spielplätze oder der Aussenraum des neu platzierten Bistros werden nur zu bestimmten Tageszeiten und bei entsprechendem Wetter genutzt. Der grosse Anteil an älteren Menschen in den Alterswohnungen und Altersheimen führt zusätzlich dazu, dass der Aussenraum höchstens begangen, nicht aber als Aufenthaltsraum genutzt wird. Da nördlich der Siedlung weitere Wohnstrassen liegen und damit das Hardau-Areal keine Passanten anzieht, da ferner der Parkplatz zwischen Albisriederplatz und Hardau die Stadt von der Siedlung trennt und weil schliesslich die Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel nicht direkt am Areal liegen, ist die Siedlung Hardau schlecht ans Quartier angebunden und wird fast ausschliesslich von Siedlungsöffentlichkeit belebt: Mein eigenes Auftreten, Verweilen und Beobachten auf dem Areal wird skeptisch beobachtet und mit Bemerkungen begleitet. Trotz der Möglichkeit, die Wege und Rampen mit dem Fahrrad zu befahren, bin ich die einzige Person mit einem solchen Gefährt, was die Benutzergruppe zusätzlich homogen und privat erscheinen lässt.

2.3. Die Skulpturen von Carl Bucher
1975 wurde für künstlerische Arbeiten in der Hardau ein Kunstwettbewerb ausgeschrieben, zu dem unter anderem Carl Bucher und Peter Meister eingeladen wurden.18 Bucher, der damals zum ersten Mal an einem solchen Wettbewerb teilnahm, war daran, nach seinen "Landing"-Bilder Skulpturen zu erarbeiten. Im Zusammenhang mit einem pazifistischen Anliegen zur Zeit des Vietnamkriegs und nach einem beeindruckenden Erlebnis im amerikanischen Price Canyon abseits der Zivilisation wollte Bucher sein Unbehangen und seine Wut gegen die westliche Zivilisation ausdrücken: Seine Skulpturen wurden scheinbar unter einem nicht sichtbaren Krafteinfluss zusammengedrückt.19 Die Hardau mit ihren Hochhäusern verlangte gemäss Aussage Buchers nach einer monumentalen Geste. Ziel waren vier bis fünf Skulpturen, die im Aussenraum zu stehen hatten. Buchers Vorschläge für die Hardau nahmen die bis dahin in seiner Arbeit verfolgten Ideen auf und spitzten sie zu. Die steinernen Kissen oder die in sich zusammensinkenden Säulen entstanden nicht erst im Kontext der Hardau. Nicht der Kontext des Ortes, sondern das eigene Werk war in erster Linie die Ausgangslage. Ohne dass Bucher wirklich gegen die Hardau-Hochhäuser gewesen wäre, wollte er dennoch auch hier den Hochhäusern etwas Menschliches entgegensetzen – etwa, indem er den harten Formen der Türme die weichen Formen seiner steinernen Skulpturen entgegensetzte. Der Verweis wurde unterstützt, indem die Skulpturen die Farbe der Hochhäuser trugen. Die Wassersäulen sollten ausserdem ununterbrochen von Wasser übergossen sein, was der Ingenieur allerdings nicht zustandebrachte. Wie in anderen Arbeiten ging es auch um das Phallische und um den Grössenwahn der Menschen. Die Skulpturen Buchers in der Hardau können daher auch als Parodie auf die Hardau-Türme gelesen werden. Dabei ging es Bucher nicht um ein intellektuelles Konzept, sondern um den Ausdruck eines intuitiven Gefühls. Die Bewohner allerdings fanden die Skulpturen in der Hardau nicht schön, sondern befremdend. Erst die engere Auseinandersetzung (etwa anlässlich einer Fernsehsendung Ende 1970) brachte grössere Akzeptanz.

Bei der Sanierung des Aussenraums der Hardau sowie der Verlegung der Eingänge wurde diskutiert, ob sämtliche Skulpturen entfernt werden sollten, was die Kunstkommission der Stadt Zürich allerdings nicht empfahl. So kam es zur Sanierung sämtlicher Skulpturen durch den Künstler selbst, und – in Absprache mit dem verantwortlichen Architekten Gerold Loewensberg – zu ihrer leichten Versetzung.20

2.4. Das Image der Hardau
Die Siedlung wird von verschiedener Seite und auch von der Quartierbevölkerung als kalt, anonym, monoton, irritierend, leblos oder steril bezeichnet und hat wegen der Verkehrs und Immissionsbelastung, der hohen Dichte, dem geringen Grünraum und als ehemaliges Arbeiterquartier mit noch heute vielen Leuten aus soziale unteren Schichten ein schlechtes Image.21 Die genannten Aspekte lassen sich demzufolge unterteilen in negativ bewertete Emissionen wie Lärm und Gestank, auf den fehlenden öffentlichen Charakter und auf die Bevölkerung aus sozial unteren Schichten. Die Quartierbevölkerung wünscht sich – unter dem Blickwinkel des Sicherheitsgefühls – eine Belebung der öffentlichen Räume, zusätzliche Freiflächen und eine bessere Durchmischung der Wohnbevölkerung.22

Im Zusammenhang mit der Wirkung der Bauten und des Aussenraums stellt sich die Frage nach den zahlreichen Konnotationen, die mit dem Quartier in Verbindung gebracht werden. Höchstwahrscheinlich spielen dabei die dunkle Farbe der Bauten, die eingelassenen anstatt angehängten Balkone, der Umstand von in der Schweiz seltenen und image-belasteten Wohnhochhäusern sowie die vorwiegend ältere und die ausländische Wohnbevölkerung eine prägende Rolle. Bezeichnend für das schlechte Image ist das verbreitete Gefühl von Unsicherheit, das mit der tatsächlichen Sicherheit keineswegs übereinstimmen muss. Ein zeitgemässer Ausdruck mit Glas und Licht scheint bei Vielen das Sicherheitsgefühl zu stärken.

2.5. Aufwertungsstrategien, Sanierungsarbeiten und Neubauten
In der Wohnumfeldstudie im Auftrag des Garten- und Landschaftsamtes der Liegenschaftsverwaltung und des Sozialdepartements werden mehrere Aspekte genannt, welche in Bezug auf die Hardau verbesserungsfähige Situationen umschreiben. Seit 1999 werden diesbezüglich Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität getroffen. Ziel dieser Quartieraufwertungsmassnahmen, die ein wichtiger Teil der Legislaturziele der Zürcher Stadtregierung von 1998–2002 darstellen, ist es, die Lebensqualität in "räumlich, sozial, ökologisch und kulturell stark belasteten Quartieren"23 durch Verminderung von strukturellen Mängel wie hohe Verkehrs- und Immissionsbelastungen, schlechten Wohnumfeldqualitäten und ungenügendem Angebot an Wohnraum zu steigern.24 In der Hardau investiert die Stadt Zürich dafür 180 Mio. Franken.

Unter Einbezug der Quartierbevölkerung (ab März 1999 finden dazu mehrmals jährlich Workshops statt, die allerdings insbesondere von der Schweizer Bevölkerung besucht werden) werden schliesslich folgende konkreten Ziele erörtert:
-    Verbesserung der Lebensqualität in der Hardau durch Aufwertung des Wohnumfeldes
- Bessere Anbindung der Siedlung an das Quartier
- Aufwertung der Eingangsbereiche und bessere Orientierungsmöglichkeiten
- Etablierung des Aussenraums
- verbesserte Nutzbarkeit des Wohnumfelds als Aufenthalts- und Spielort, Treffpunkt etc. für alle Altersgruppen
- Attraktivere Gestaltung und Platzierung von Cafeteria und Kindergarten
- neuer Kinderhort
- mehr Familien und mehr Schweizer durch Zusammenlegung von Kleinwohnungen

Ein erster Massnahmenkatalog wird in einer 1. Etappe zwischen 2000 und 2002 realisiert:
-    Verlegung der Haupteingänge auf oberes Niveau, Markierung der ehemaligen Nebeneingänge auf dem unteren Niveau, Neugestaltung in hellen Farben zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls, Vordächer, Sonnerien
- Offene Erdgeschosse, Büros und Ateliers im Sockelgeschoss
- Bessere Wegführung, Treppen und Rampen, leuchtende Infokuben auf der oberen Ebene
- Spielhügel am Ende der Wohnstrasse, Kleinkinderspielplätze im Sichtbereich der Familienwohnungen, Erlebnisspielplatz mit neuer Bepflanzung
- Neugestaltung und -platzierung von Cafeteria mit Aussenraum
- Neugestaltung und -platzierung von Kindergarten, zusätzlicher Tageshort
- Zufahrtsstrasse zu Reihen-MFH als verkehrsfreie Wohn- und Spielstrasse
- Aussenbereich mit überdecktem Hof und Sitzstufen, neue Grünbereiche
- Sanierung und teilweise Umplatzierung der "Elefantenfüsse" und des Brunnens von Carl Bucher

Längerfristig sind auf dem Hardau-Areal zusätzlich Veränderungen im Bereich des Wohnens, der Schulen und der Freizeit geplant. Dazu gehören:

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Sanierungen der Bauten der Hardau I und II und Zusammenlegung von 1- und 2-Zimmer-Wohnungen zu 5½-Zimmer-Wohnungen (Eckwohnungen bis 130 m2) für Familien und für Paare mit urbanem Lebensstil. Der vorgesehene Preis ist Fr. 2500–3000.

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Neubau Oberstufenschulhaus Albisriederplatz (Mai 2005 – August 2007).
Aufgrund der enormen Zunahme an Schülerzahlen anfangs der 1990er Jahre wurde 1996 ein Schulprovisorium erstellt, das nun hinter dem Zwischen dem Albisriederplatz und der Siedlung Hardau II durch einen Neubau von 3900m2 für 12 Klassen ersetzt werden soll. Ebenfalls im Gebäude integriert wird eine Schul- und Quartiersbibliothek. Die Aussenräume (Pausenplatz, Hartplatz, Spielwiese) sollen eine gestalterische Einheit bilden und auch für die Quartierbevölkerung zugänglich sein.25 Das fünfgeschossige Wettbewerbsprojekt vom Sommer 2002 von bbesw Architekten (Atelier Letten) steht quer zur Badenerstrasse und schafft zwei neue unterschiedliche Aussenräume. Es ist als Freiluftschule mit Glas und Terrassen konzipiert. Kosten: Fr. 33.5 Mio.

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Erweiterung Primarschulhaus Hardau (2004–2005).
Die bestehende Schule soll um 2 Klassen, 3 Kindergärten und 3 Horte erweitert werden. Das Wettbewerbsprojekt vom Sommer 2002 von EM2N bindet sich über einen tiefer gelegenen Werkhof östlich an die bestehende Schule an.26

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Erweiterung Berufswahlschule BWS Bullingerstrasse (2004–2005).
Die Berufswahlschule wird mit einem länglichen rechteckigen Baukörper von EM2N nördlich erweitert. Der Eingang zur Schule geht neu über den Erweiterungsbau von Norden anstatt von der Bullingerstrasse im Süden her.27

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Neubau Sporthalle (Dreifachhalle) Hardau (Januar 2006 – August 2007).
Der Bedarf an Sportinnenflächen durch sämtliche Quartiersschulen wird durch eine Dreifachturnhalle gedeckt, die auch von Vereinen und der Quartierbevölkerung benutzt werden kann. Das Wettbewerbsprojekt vom Sommer 2002 von Weber Brunner Architekten sieht ein freistehendes Volumen mit relativ offenem Erdgeschoss vor. Der Baukörper soll abstrakt wirken und sich vom Charakter an die bestehenden braunen Hardau-Bauten anlehnen. Kosten: Fr. 17.0 Mio.28

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Durchgehender Aussenraum im Bereich der Schulerweiterungen und der Sporthalle.
Der zusammenhängende Aussenraum, der ebenfalls aus den Wettbewerben der Schulen von 2002 hervorgeht und von den Landschaftsarchitekten Zulauf Seippel Schweingruber geplant wird, ist als Durchgangsraum für die Schüler und die gesamte Quartierbevölkerung mit Asphaltbelag vorgesehen. Östlich der BWS ist für die Schüler der BWS und die Quartierbewohner eine Spielwiese mit angrenzendem chaussiertem Platz und eventuell einem Brunnen geplant. Pausenplatz vor dem Neubau der BWS ist ein Pausenplatz, und ein nicht für Begehung vorgesehenes erhöhtes Beet mit Bäumen trennt die Wohnungen der Stefan-à-Porta-Stiftung (Eichbühlstrasse) vom Aussenraum der Schulbauten. Eine lange Bank und Mauer für Skate-Boarder bildet den Rand des Beetes. Ein Sportplatz mit Ballfanggitter und eine grosszügige Verbindungs- und Pausentreppe nivelliert den Terrainunterschied.29

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Quartierspielplatz in der nordwestlichen Ecke vor der Eichbühlstrasse.
Vorprojekt Frühjahr 2004: Zulauf Seippel Schweingruber, Baden30
- Stadtpark Hardau (Fertigstellung: August 2007/2012) im Auftrag der Grün Stadt Zürich.
Der städtebaulich und landschaftsarchitektonisch hochwertige Stadtpark mit einer eigenen, ortspezifischen Identität wird auf der Nordseite von der Oberstufenschule begrenzt.
Der Park soll sowohl der Schule als auch der Quartierbevölkerung dienen, so dass eine hohe Nutzungsflexibilität gefordert ist. Die zahlreichen Wegverbindungen sollen zu einem attraktiven Wegnetz geknüpft werden. Der Park soll als Einheit erlebbar sein und der Aufwertung des Quartiers dienen. Das Wettbewerbs-Gewinnerprojekt von realgrün Landschaftsarchitekten (München) im Sommer 2004 sieht vier leicht geneigte Wiesenstücke, einen Schulhausplatz und einen Quartierplatz vor. Der Bereich zum Schulhaus hin soll 2007, der Bereich auf dem heutigen Parkplatz 2012 erstellt werden. Die aufzuhebenden Parkfelder werden durch Abstellplätze in der Tiefgarage Hardau I ersetzt. Kosten: Fr. 6.5 Mio.31

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Pilotprojekt Kunst Öffentlichkeit Zürich
Die finanziellen Mittel für "Kunst am Bau"-Projekte der neuen Schulhausbauten sollen für Kunst im öffentlichen Raum in der Hardau eingesetzt werden. Die Eingriffe sollen mit den verschiedenen, stark zergliederten Akteursgruppen in einen Dialog treten und als Attraktoren, Nutzungserweiterungen und Kommentare funktionieren. Ziel ist, die blockhaften Nutzungen aufzulockern und die funktionalisierten Räume und Öffentlichkeiten miteinander in Bezug zu bringen.

3. Zusammenfassung
Die Baustruktur sowie der öffentliche Raum des Hardquartiers und der angrenzenden Areale sind im Gebiet südöstlich respektive nordwestlich des Albisriederplatzes stark unterschiedlich. Die später bebauten Areale im Nordwesten, wozu auch das Areal Hardau gehört, zeichnen sich durch einen starken Inselcharakter aus und sind vorwiegend monofunktional ausgerichtet. Für die Wohnsiedlungen bedeutet dies ein eher unstädtisches Wohnen im Grünen, wobei die Aussenräume wenig öffentlichen Charakter im städtischen Sinn aufweisen. Die baulichen Erneuerungen in der Hardau könnten diesen Umstand möglicherweise leicht verbessern, aber nicht grundlegend verändern. Die Verdichtung von Schulbauten und Sportanlagen in der Hardau knüpft an die einseitig ausgerichtete Funktion des Areals an. Es gibt wenig Anlass, dass die Quartierbevölkerung – sieht man einmal von den Schülern während der Schulzeiten, den Spielplatzkindern am Tag und den Sporthallenbenutzern ab – den geplanten öffentlichen Aufenthalts- und Durchgangsraum als solchen nutzt. Dies wird zusätzlich verstärkt, da von der Bullingerstrasse aus der Eingang zur BWS wegfällt und die öffentliche Spielwiese erst hinter dem Schulparkplatz und damit wiederum von einer öffentlichen Strasse entfernt liegt. Gerade am Abend könnten die Aussenanlagen zum Grossteil verlassen wirken. Das Zielpublikum – die Schüler und die (eher ältere) Quartierbevölkerung – wird sich kaum miteinander vermischen und ein wirklich städtisches Publikum schaffen. Im Gegensatz dazu könnte die Setzung des Oberstufenschulhauses mit dem angrenzenden Stadtpark Hardau eine bessere Durchmischung ermöglichen, sofern der Park trotz seiner Abgeschiedenheit von öffentlichen Strassen frequentiert wird. Durch die Introvertiertheit der Areale sowie die hohe Verkehrsbelastung auf zahlreichen Hauptstrassen sind die Strassen- und Platzräume nordwestlich des Albisriederplatzes wenig attraktiv.

Die baulichen Massnahmen in der Hardau reagieren auf die bisherige Situation im Sinne einer Aufwertung. Damit verbunden ist auch eine Verbesserung des Images, wodurch die Möglichkeit eines Gentrifizierungsprozesses besteht. Durch die Erneuerungen sind höhere Mietpreise möglich, dass ein Publikum einer höheren Einkommensklasse und sozialen Schicht anzieht und die bisherige Bewohnerschaft zumindest teilweise aus ihren Wohnungen vertreiben wird.

Bernadette Fülscher, 15. Dezember 2004

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1 Vgl. "Wild"-Karte von 1852–1868

2 Vgl. Stadtplan 1905

3 www.zuerich-4.ch/10Geschichte.htm→

4 www.gcz.ch→

5 Vgl. Kapitel 2.1. Bestehende Bauten in der Hardau

6 Vgl. exemplarisch: Philippe Panerai, Jean Castex, Jean-Charles Depaule, Vom Block zur Zeile. Wandlungen der Stadtstruktur, Vieweg&Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1985 (frz. 1977).

7 Einen Überblick über die verschiedenen Theorien dieses neuen Stadtmodells bietet: Bettina Gisler, "Zur Transformation der Stadtentwicklung" In: Christian Schmid, Orlando Eberle (Hg.), Die Neue Regionalökonomie. Seminarbeiträge, Geographisches Institut der Universität Bern, Bern 2000, S. 143–157.

8 Einen Nutzungsplan erstellte Bernadette Fülscher durch eine Beobachtung vor Ort. Die Autorin bittet um Nachsicht bei möglichen Ungenauigkeiten und Unvollständigkeiten.

9 In Bezug auf die Bebauungsstruktur wurde bereits im Kapitel Stadtentwicklung auf diese Grenze verwiesen.

10 Vgl. Nutzungsplan Hardquartier, erstellt durch Bernadette Fülscher, Juli 2004. Der Plan sieht die geplanten Neuerungen in der Hardau bereits vor.

11 Seit den 1960er Jahren beschriebt der Begriff gentrificationdie Verdrängung tieferer sozialer Schichten durch höhere als Folgeerscheinung der Aufwertung von Stadtvierteln. Typisch für diese Entwicklung ist, dass in einem ersten Schritt Leute mit erhöhtem kulturellen Kapital die Quartiere beleben, wonach in einem zweiten Schritt Leute mit höherem ökonomischem Kapital angesprochen werden.

12 Vgl. Kapitel 2.5. Aufwertungsstrategien, Sanierungsarbeiten und Neubauten in der Hardau

13 Vgl. Kapitel 1.4. Verkehr.

14 Vgl. Kapitel 1.4. Verkehr.

15 Vgl. Kapitel 2.5. Aufwertungsstrategien, Sanierungsarbeiten und Neubauten

16 Vgl. Tiefbauamt der Stadt Zürich, Verkehrsplanung (Hg.), Rosengartenstrasse. Von der Westtangenten-Eröffnung bis heute. Die dreissigjährige Geschichte der Westtangente von Erich Zeller, Zürich, Juli 2001, S. 4 und 17.

17 Idem.

18 Vgl. Gespräch mit Carl Bucher anlässlich eines Atelierbesuchs am 2. September 2004 mit Bernadette Fülscher und Susann Wintsch.

19 Vgl. Carl Bucher, Monografie, Benteli, Wabern-Bern 2001.

20 Vgl. Telefongespräch der Autorin mit Gerold Loewensberg am 9. November 2004.

21 Vgl. Wohnumfeldstudie von B. und M. Emmenegger, 1996.

22 Vgl. Protokolle der Workshops ab 1999.

23 Vgl. Städtische Dokumentation Projektwettbewerb Schulen 2002, Einführungstext.

24 Vgl. Stadtrat von Zürich, Legislatur 1998–2002, Rechenschaftsbericht.

25 Vgl. Städtische Dokumentation Projektwettbewerb Schulen 2002.

26 Vgl. Gespräch von Tim Zulauf und Bernadette Fülscher mit den Architekten EM2N am 27. April 2004.

27 Idem.

28 Vgl. Gespräch von Tim Zulauf und Bernadette Fülscher mit Weber Brunner Architekten am 28. April 2004.

29 Vgl. Gespräch von Bernadette Fülscher mit den Landschaftsarchitekten Zulauf Seippel Schweingruber am 11. Mai 2004.

30 Idem.

31 Vgl. Medienmitteilung des Stadtrates, Medienbulletin Nr. 22, Juni 2004, sowie die Pläne des Wettbewerbsprojekts unter www3.stzh.ch→.


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